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Hepper, 2004
Die Küferei–Werkstatt des Konrad Oehrler

Hepper, 2004 Eine besondere Rarität sind die in der Heimatgeschichtlichen Sammlung ausgestellten Teuchelrohre. Sie kamen beim Neubau der Seniorenwohnanlage Bodelshausen ans Tageslicht. Teuchel waren die hölzernen Wasserleitungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die rechteckige Öffnung in der Teuchelwandung diente zum Aufsetzen einer sogenannten Schwingelpumpe. Denn die Teucheln aus Tannenholz verbanden in der Regel die Brunnenstube (gefasste Quelle) mit den im Ort vorhandenen Brunnen. Ein langer, schwerer, eiserner Bohrer musste mit aller Kraft und geradliniger Treffsicherheit über eine Länge von 2,5 bis 4,0 Meter durch das Mark des Baumes getrieben werden. Holz als Baumaterial isolierte gut und bot somit einen gewissen Frostschutz, da die Teucheln nicht immer unterhalb der Frostgrenze verliefen. Teucheln aus Bodelshausen waren im 18. Jahrhundert ein geschätzter Handelsartikel, der beispielsweise auch in Tübingen Abnehmer fand.

Historische Schulstube

Hepper, 2004 Die stilecht inszenierte Schulstube war für die Ferienfreizeit Mühlbachbande eines der Highlights in der Heimatgeschichtlichen Sammlung Bodelshausen. Sie ist in etwa einem Klassenzimmer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachgebildet. Die Einrichtung stammt aus der ehemaligen evangelischen Volkschule in Bodelshausen. In den Schulbänken schrieben die Kinder und Jugendlichen ihre Erlebnisse im Museum auf, etwa über hölzerne Sitzbänke zum ‘nufklappe. Auch der Tatzenstock, mit dem der Lehrer manchmal zuschlug, hinterließ bleibenden Eindruck: Ging der kaputt, dann mussten Schüler einen neuen holen; dann hend die Buben die Stecken z’sammag’schpitzt und beim Ausholen isch er kaputt gangen.

Sannwald, 2004 Wenn Kurt Lacher, Jahrgang 1952, eine Schülergruppe durch die Heimatgeschichtliche Sammlung Bodelshausen führt, dann lässt er sie zunächst in alten Schulbänken Platz nehmen – und aufstehen und Platz nehmen, so lange, bis das Guten Morgen Herr Lehrer auch gut klappt. Sogar Schüler, die mit Geschichte nichts anfangen können, genießen dieses Rollenspiel. Kurt Lacher hatte lange Zeit selbst mit Geschichte überhaupt nichts am Hut. Erst bei den Vorbereitungen für das 900–jährige Jubiläum der Gemeinde Bodelshausen im Jahr 2000 ließ sich Lacher, der dem Hauptamt der Gemeinde seit 1973 vorsteht, in die Pflicht nehmen. Seitdem leitet er den damals eingerichteten Förderkreis Heimatgeschichte. Heute ist die Museumsarbeit für ihn viel mehr Hobby als Arbeit, auch zeitlich gesehen.

Hepper, 2004 Anhand ausgewählter Ausstellungsstücke können junge Besucher in der Heimatgeschichtlichen Sammlung Bodelshausen eigene Erfahrungen mit der einst alltäglichen Mechanik machen, die heutzutage oft nicht mehr zu ihrer Erlebniswelt gehört. Beispielsweise mit alten Schreibmaschinen. Ein Junge dazu: Ich hätte gerne jede einzelne ausprobiert.

Mechanische Strickerei – Unterhosen maschenhaft

Rundstühle in der mechanischen Strickerei Bei einer Führung mit Kindern erregten die Strickmaschinen in der Textilabteilung der Heimatgeschichtlichen Sammlung in Bodelshausen Staunen: Wie schnell die stricken konnten! Am meisten faszinierte eine 1953 von der Firma Fouquet und Frauz in Rottenburg gefertigte Rundwirkmaschine (auch Rundstuhl genannt, im Bild rechts außen), die zusammen mit anderen Geräten und Maschinen an die Textilindustrie erinnert, die etwa ein Jahrhundert lang bis circa 1984 das wirtschaftliche Leben in Bodelshausen dominierte. Rundwirkmaschinen dieser Bauart, die in Bodelshausen bereits in den 1930er Jahren aufgestellt wurden, lieferten ein schlauchförmiges Gewirke. Arbeiterinnen schnitten es zu und nähten daraus dehnbare, geschmeidige Wäsche– und Kleidungsstücke, vor allem Unterwäsche. Viele Bodelshausener arbeiteten in der Vergangenheit als Stricker in den ortsansässigen Textilbetrieben. Nicht wenige nutzten die Nähe Rottenburgs und ließen sich direkt bei Fouquet und Frauz an diesen Maschinen ausbilden.

Hepper, 2004
Besuch in der Strickerei

Sannwald, 2004 Wer Helmut Nill, Jahrgang 1938, erlebt, wie er in der Heimatgeschichtlichen Sammlung eine Rundstrickmaschine in Gang setzt, merkt gleich: Da versteht einer sein Geschäft. Helmut Nill passt in die Heimatgeschichtliche Sammlung Bodelshausen ideal hinein, weil er sowohl Landwirtschaft wie auch Industriearbeit, die zwei wesentlichen Themen der Ausstellung, selbst erlebt hat: Er konnte schon im Alter von zwölf Jahren zwei Kühe zusammenspannen und aufs Feld führen. Sein Vater betrieb Landwirtschaft jedoch nur im Nebenerwerb. Hauptberuflich arbeitete er als Weber und schickte auch seinen Sohn nach der Volksschule gleich in die Fabrik, wo er an einer Rundstrickmaschine angelernt wurde. 47 Jahre lang übte Helmut Nill seinen Beruf in Bodelshausen und Hechingen aus. Noch bevor er in Rente ging, vermittelte er der Heimatgeschichtlichen Sammlung Bodelshausen eine alte Rundstrickmaschine seines Arbeitgebers, der Firma Jockey in Hechingen. Damals war für ihn gleich klar: Er würde sie wieder zum Laufen bringen. Und nicht nur das. Seit Eröffnung der Heimatgeschichtlichen Sammlung 2000 ist er bei jeder Führung zumindest als Techniker dabei, der seine liebevoll gewarteten Maschinen rattern lässt.

Leben im Arbeiterdorf

Hepper, 2004 Hepper, 2004

Hepper, 2004 Ein Bundesbecher vom Sportplatz Die Arbeiterbewegung ist kein rein städtisches Phänomen! Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in den Gemeinden des Steinlachtals SPD–Ortsvereine und Arbeitersportvereine. Der Bodelshäuser Verein hielt engen Kontakt zu seinem Dachverband, dem Arbeiter–Turnerbund in Leipzig. Als 1921 der in gemeinsamer Arbeit errichtete Sportplatz Haiden mit einem großen Turnfest eingeweiht wurde, bestellte man dort für alle Mitglieder einen Bundesbecher, auf dem der Name des Mitglieds und das Motto der Arbeitersportbewegung eingraviert wurde. Die Buchstaben FFST stehen für Frisch Frei Stark Treu. Obwohl damals in vielen Haushalten ein solcher Becher zu finden war, sind heute nur die von Karl Steinhilber und Elsa Rieker noch nicht zerbrochen!

Hepper, 2004 Die umgestickte Fahne 1933 verboten die Nationalsozialisten den Bodelshäuser Arbeitergesangsverein Liederkranz ebenso wie alle anderen sozialdemokratischen Vereine. In der Folge musste der Verein seinen gesamten Besitz auf dem Rathaus abgeben – unter anderem diese Fahne, auf die die Mitglieder so stolz waren: Nur mit viel Mühe und Phantasie hatten sie gemeinsam das Geld für sie aufgebracht. Aber so leicht gaben sich die kämpferischen Bodelshausener nicht geschlagen: In den folgenden Jahren versuchten die Sänger, ihren Zusammenhalt trotz des braunen Terrorregimes aufrecht zu erhalten. Als im folgenden Jahr ein neuer Verein gegründet wurde, kamen nur die seitherigen Mitglieder. Es wurde noch nicht einmal eine neue Fahne angeschafft: man trennte einfach den einen Teil der Stickerei des Wortes Arbeiter auf und ersetzte es durch Männer. Sicher dachten sich die Bodelshäuser Sänger ihren Teil, wenn sie im ‚Dritten Reich’ hinter dieser Fahne sangen.

Hepper, 2004 Historische Wirtschaft:
Lindenbrauerei und Jukebox
Die historische Wirtsstube veranschaulicht die Zeit, als Gaststätten neben der Kirche einer der wenigen öffentlichen Treffpunkte in der Gemeinde waren. Bierfässer, Flaschen und Bierkrüge erinnern an die ehemalige Brauerei Linde, die seit 1748 Bier für den örtlichen und auch überörtlichen Bedarf herstellte. Einer aus Holz angefertigten, noch funktionstüchtigen Musikbox aus den 1930er Jahren, die früher in der ehemaligen Gaststätte Paradies die Gäste unterhielt, können Besucher nostalgische Töne entlocken, wenn sie an der Handkurbel drehen. Die elektrische Jukebox aus den 1960er/1970er–Jahren, die in der Gaststätte Zur Rose stand, trägt Oldies zur gemütlichen Stimmung bei.

Hepper, 2004 Ein real geteiltes Springerlesmodel Die unscheinbarsten Dinge erzählen häufig die erstaunlichsten Geschichten: in der Heimatgeschichtlichen Sammlung Bodelshausen findet sich dieses Springerlesmodel, das offensichtlich in der Mitte durchgesägt wurde. Was hat man sich dabei gedacht? Früher war für die Menschen ihr Besitz, ihr ‚Sach’ viel wichtiger als heute, schließlich hing davon ab, wie sie ihre Familie ernähren konnten. Sein Habe aber bekam man hauptsächlich, indem man es erbte. In Württemberg wurde im Erbfall der gesamte Besitz gleichmäßg auf alle Kinder, auf Söhne wie auf Töchter verteilt. Jeder bekam den gleichen Anteil an Äckern, Wiesen, Wäldern, am Wohnhaus und an der beweglichen Habe, der so genannten ‚Fahrnis’. Offensichtlich aber hatte die Familie nur ein Springerlesmodel, so dass dieses kurzerhand in zwei Teile zersägt wurde. Beim Springerlesmodel kann man über die gerechte Teilung schmunzeln, aber viele hatten nach der Erbteilung wenig zu Lachen: der Besitz wurde immer weiter aufgesplittert, die Äcker immer schmaler, so dass ihr Ertrag nicht mehr reichte, um eine Familie zu ernähren. In der Folge sahen sich die Bodelshäuser – und mit ihnen alle Württemberger – nach neuen Einnahmemöglichkeiten um, zunächst in verschiedenen Handwerken.

Hepper, 2004 Die Botschaft der Windlade Schon während der Revolution von 1848 zeigten die Bodelshäuser erstmals ihr demokratisches Engagement. Vom Mühringer Orgelbauer Franz Xaver Engelfried, der in dieser Zeit in der Dionysius Kirche tätig war, hat sich ein Zeugnis seiner Enttäuschung über das Scheitern der Revolution, deren Hauptziele Freiheit – also Demokratie – und Einheit waren, erhalten. In der Orgel versteckte er ein kleines Holzplättchen, auf dem er vermerkte: Im Jahre 1848 wurde mit Fertigung dieses Orgelwerkes begonnen, zur Zeit als das unter 36 Fürsten geknechtete Deutschland sich als ein Volk zu fühlen [begann] und das Verlangen nach Einheit immer dringlicher wurde. [...] aber noch ehe dieses Werk vollendet, ist Deutschland niedergedonnert durch die Fürsten und ihre Helfershelfer. Wiederentdeckt wurde das Plättchen erst 150 Jahre später, als Deutschland wirklich eine stabile Demokratie war.

In der heimatgeschichtlichen Sammlung kann auch Einsicht in die Abschriften der historischen Kirchenbücher aus Bodelshausen genommen werden, die bis in das Jahr 1484 zurückreichen. Sämtliche Texte sind von Hermann Griebel, der ebenfalls im Förderkreis Heimatgeschichte mitarbeitet in unsere heutige Leseschrift transkribiert worden. Er hat diese Kirchenbücher ausgewertet und in einem viele Ordner umfassenden Familienregister zusammengefasst. Jeweils am ersten Öffnungstag eines Jahres besteht für die Besucher, deren Vorfahren in Bodelshausen lebten die Gelegenheit, näheres über ihre Familiengeschichte zu erfahren.

Im Förderkreis Heimatgeschichte, der zur Vorbereitung der 900–Jahrfeier im Jahre 2000 ins Leben gerufen wurde, arbeiten regelmäßig ca. 20 an der Ortsgeschichte von Bodelshausen interessierte Personen mit. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die heimatgeschichtliche Sammlung zu erhalten und auszubauen. Das orthistorische Wissen aus der Mitarbeit der Förderkreismitglieder beim Zustandekommen des zweibändigen Heimatbuches Die Geschichte von Bodelshausen, wie auch deren Vielfalt an Berufen, Interessen und Neigungen, die sich gegenseitig ergänzen, stehen als Garanten dafür, einen Besuch in der heimatgeschichtlichen Sammlung für Jung und Alt zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen.

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